Veranstaltung: | Delegiertenkonferenz der EJiR am 8. und 9. März 2025 |
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Tagesordnungspunkt: | 3.2.2. Antrag A2 (Ausschuss Jugendarbeit als Ehrenamt) Positionspapier: "Ehrenamt als Chance – Perspektiven des Jugendverbands" |
Status: | Beschluss |
Beschluss durch: | Ausschuss Jugendarbeit als Ehrenamt |
Eingereicht: | 28.01.2025, 15:22 |
"Ehrenamt als Chance – Perspektiven des Jugendverbands"
Beschlusstext
Positionspapier der Evangelischen Jugend im Rheinland
Einleitung
Die Evangelische Jugend im Rheinland betrachtet aufgrund ihres
Selbstverständnisses[1] ehrenamtliches Engagement als zentrales Herzstück
kirchlicher Jugend(verbands)arbeit. Dieses Papier führt in seinen Positionen und
Folgerungen aus, wie wichtig die Förderung ehrenamtsfreundlicher Strukturen ist,
um Kinder, Jugendliche und (junge) Erwachsene (im Folgenden „junge Menschen“)
für die Mitarbeit in Kirche und Gesellschaft zu begeistern.
Zielgruppe/Adressat*innen: Dieses Papier richtet sich an Menschen, die in der
Position sind, Ehrenamtsstrukturen zu verändern, die (im gemeindlichen Kontext)
mit Ehrenamtlichen zusammenarbeiten und/oder ehrenamtliches Engagement stärken
wollen.
Hinweis: Der Begriff ”Anforderungen” beschreibt im Folgenden die
Schritte/Maßnahmen/Verhaltensweisen, die notwendig sind, um nach unserem
Verständnis gutes ehrenamtliches Engagement gewährleisten zu können. Dieses
Verständnis ergibt sich aus unseren Positionen, Beschlüssen und
Qualitätsstandards.
1. Mitbestimmung und Wertschätzung als Basis
Unsere Position:
Mitbestimmung und Wertschätzung sind essenziell in allen Bereichen
ehrenamtlichen Engagements. Jede Aufgabe, ob sie unterstützend oder in leitender
Funktion ist, muss mit Gestaltungsmöglichkeiten einhergehen.
Anforderungen:
- Standards zur Mitbestimmung entwickeln und achten: Unabhängig vom Alter
der Ehrenamtlichen sollte Mitbestimmung gewährleistet sein, insbesondere
für unerfahrene Menschen, die Partizipationsmöglichkeiten oft erst erleben
und erlernen müssen.
- Anerkennung fördern: Ehrenamtliches Engagement wird unabhängig von Umfang
oder Dauer geschätzt und öffentlich gewürdigt.
2. Verantwortung und Zutrauen stärken
Unsere Position:
Das gezielte Fördern von Fähigkeiten und die Übertragung von Verantwortung sind
Schlüsselelemente für nachhaltiges Engagement.
Anforderungen:
- Verantwortung abgeben und Zutrauen schenken: Junge Ehrenamtliche erleben
Selbstwirksamkeit durch Verantwortung, die ihrem Entwicklungsstand
angepasst ist. Dabei ist es wichtig, sie anzunehmen, wie sie sind, und
ihnen passende Aufgaben anzubieten.
- Verantwortung schrittweise erweitern: Mitarbeitende sollten entsprechend
ihrer Erfahrungen zunehmend verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen
können.
3. Offenheit und Willkommenskultur fördern
Unsere Position:
Eine offene und einladende Haltung gegenüber Interessierten ist für den Erfolg
des Ehrenamts unerlässlich.
Anforderungen:
- Offenheit garantieren: Jede interessierte Person, die sich engagieren
möchte, ist willkommen und kann mit kleinen Aufgaben beginnen.
- Willkommen heißen: Neue Mitarbeitende müssen von erfahrenen Ehrenamtlichen
aktiv unterstützt und integriert werden.
4. Partizipation durch Bildung ermöglichen
Unsere Position:
Partizipation ist nur durch gute Vorbereitung und gezielte Fortbildungen
nachhaltig wirksam.
Anforderungen:
- Fortbildungen bereitstellen: In allen Einsatzbereichen und
Verantwortungsebenen sollten zielgruppenspezifische Bildungsangebote
vorhanden sein, um Ehrenamtlichen die notwendigen Kompetenzen zu
vermitteln.
- Fortbildungen ermöglichen: Die persönliche Lebenssituation der
Ehrenamtlichen muss bei der Auswahl der Fortbildungsangebote
berücksichtigt werden. Fortbildungen müssen so angepasst sein, dass eine
Teilnahme allen Ehrenamtlichen möglich ist und Ehrenamtlichen
Unterstützung bereitgestellt wird.
5. Flexibilität und Unterstützung sicherstellen
Unsere Position:
Ehrenamtliches Engagement kann nur durch flexible Strukturen und unterstützende
Hauptamtliche gelingen.
Anforderungen:
- Strukturen anpassen: Teams, Arbeitsgruppen und Gremien brauchen
Rahmenbedingungen, die sich an den Bedürfnissen ihrer Mitwirkenden
orientieren.
- Hauptberufliche Unterstützung sicherstellen: Die Zusammenarbeit zwischen
ehrenamtlichen und hauptberuflichen Mitarbeitenden ist grundlegend für ein
positives Engagement-Erlebnis. Hierfür müssen ausreichend Ressourcen
bereitgestellt werden.
6. Gremien attraktiv gestalten
Unsere Position:
Bei allen möglichen Aufgaben für Ehrenamtliche, stellt die Gremienarbeit eine
Besondere dar. Deshalb müssen Mitglieder eingearbeitet, unterstützt und
begleitet werden. Die Struktur von Gremien sollte so aufgebaut sein, dass das
Gremium sich anpassen und weiterentwickeln kann.
Anforderungen:
- Strukturelle Voraussetzungen schaffen: Eine an die Bedürfnisse der
Mitglieder angepasste Sitzungskultur und Arbeitsweise sowie passende
Sitzungszeiten und –Orte befördern das Engagement der Mitglieder.
- Anleitend begleiten: Gremienaktive finden ihren Platz in einem Gremium
durch unterstützendes Anleiten und Eröffnen von Räumen für selbstwirksame
Erfahrungen, wie etwa Verantwortung eigene Positionen einzubringen, zu
verteidigen und die Konsequenzen von getroffenen Entscheidungen zu tragen.
Schlussbemerkung
Unser Ziel ist es, Ehrenamtliche durch klare Strukturen und umfassende
Unterstützung zu fördern. Die Umsetzung dieser Standards sorgt für eine starke
Grundlage für freiwilliges Engagement und fördert das
Zusammengehörigkeitsgefühl, nicht nur in der Kirche. Als Jugendverband stehen
wir dafür ein, dass Engagement Spaß macht, bereichert und die Entwicklung jedes
Einzelnen unterstützt.
Links für weitere Informationen:
- Padlet zum Thema Mental-Health, in einer Spalte finden sich Checks für die
Gremienarbeit etc,
§ 2 Selbstverständnis der EJiR
(1) Evangelische Jugendarbeit ist ein bedeutsames kirchliches Arbeitsfeld, das
jungen Menschen – Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen – Möglichkeiten
der Teilnahme und Mitwirkung eröffnet, sie mit der evangelischen Kirche in
Kontakt hält und noch nicht Getaufte in die Kirche einlädt. Die EJiR leistet
insbesondere Jugendarbeit im rechtlichen Rahmen der §§ 11 und 12
Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII). Die Ausgestaltung dieses Auftrags
geschieht in großer Vielfalt in Gemeinden und Kirchenkreisen, Verbänden und
Werken und in landeskirchenweit tätigen Einrichtungen und Zusammenschlüssen in
der Evangelischen Jugendarbeit im Bereich der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Zu den Wesensmerkmalen evangelischer Jugendarbeit gehören Freiwilligkeit,
Partizipation und Selbstorganisation auf allen Ebenen der Kirche, der Werke und
Verbände.