| Veranstaltung: | Delegiertenkonferenz der EJiR am 26. und 27. September 2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 4.1.1. Grundsatzpapier „Gemeinsam. Vielfältig. Unterwegs. Ankommen.“ zur rassismuskritischen Organisationsentwicklung |
| Antragsteller*in: | Projektgruppe Rassismuskritik (Jendrik Peters, David Ruddat, Tuulia Telle-Steuber, Julian Pannen, Marei Schmoliner) (dort beschlossen am: 19.06.2026) |
| Status: | Geprüft |
| Eingereicht: | 26.08.2026, 21:21 |
A1: Beschluss des Grundsatzpapiers „Gemeinsam. Vielfältig. Unterwegs. Ankommen.“ zur rassismuskritischen Organisationsentwicklung
Antragstext
Antragstext
Die Delegiertenkonferenz der Evangelischen Jugend im Rheinland beschließt das
vorliegende Grundsatzpapier „Gemeinsam. Vielfältig. Unterwegs. Ankommen.“ als
strategische Grundlage für die rassismuskritische Organisationsentwicklung der
EJiR.
Die Delegiertenkonferenz bekräftigt damit die Vision einer offenen, vielfältigen
und gerechten Kirche und Gesellschaft, in der die Würde jedes Menschen geachtet
wird und rassistische sowie andere diskriminierende Strukturen keinen Platz
haben.
Die im Grundsatzpapier formulierten Ziele für die kommenden fünf Jahre dienen
als Orientierung für das Handeln der Delegiertenkonferenz, des Vorstandes, des
Amtes für Jugendarbeit sowie der einzusetzenden Projektgruppe. Die
Delegiertenkonferenz beauftragt den Vorstand, die weitere Umsetzung des
Grundsatzpapiers gemäß den darin beschriebenen Verfahren zu begleiten und
regelmäßig über Fortschritte, Herausforderungen und notwendige Entscheidungen zu
berichten.
Gemeinsam. Vielfältig. Unterwegs. Ankommen.
Unsere Vision
Unsere Vision ist eine offene, vielfältige und gerechte Kirche und Gesellschaft.
Wir glauben, dass alle Menschen als Ebenbild Gottes eine unveräußerliche Würde
besitzen. Unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Kultur, Religion, Geschlecht oder
Lebensform sind alle Menschen willkommen. Vielfalt verstehen wir als
Bereicherung. Rassistische und diskriminierende Haltungen haben bei uns keinen
Platz.
Wir sind beziehungsreich und dialogorientiert. Respekt, Wertschätzung und
Solidarität prägen unser Handeln in der EJiR, in Kirche und Gesellschaft.
Getragen von Hoffnung sind wir unterwegs, immer wieder lernend und uns neu
ausrichtend. Wir begleiten junge Menschen in ihrem Glauben, ihrem Engagement und
ihrer spirituellen Entwicklung und ermutigen sie, Verantwortung für
Gemeinschaft, Gerechtigkeit, Frieden, Nachhaltigkeit und den Schutz der
Schöpfung zu übernehmen.
In fünf Jahren, im Jahr 2031, wollen wir folgende Ziele erreicht haben:
1. Wir haben rassismuskritische Strukturen verbindlich verankert, weil Haltung,
Verfahren und Verantwortung im Verband zusammenwirken.
- Rassismuskritik ist in Gremien, Arbeitsgruppen und Entscheidungswegen
nachvollziehbar verankert.
- Die Beschwerdestelle für Rassismuserfahrungen ist bekannt,
niedrigschwellig zugänglich und mit klaren Zuständigkeiten,
Schutzstandards und Rückmeldewegen beschrieben.
- Feedback- und Beschwerdeverfahren werden regelmäßig ausgewertet. Daraus
entstehen konkrete Lern- und Veränderungsschritte.
2. Wir stärken Beteiligung und Repräsentanz, damit junge Menschen mit
unterschiedlichen Perspektiven die EJiR sichtbar mitgestalten.
- Zugänge zu Delegiertenkonferenz, Projektgruppen, Gremien und
Veranstaltungen werden aktiv überprüft und Barrieren abgebaut.
- Marginalisierte Perspektiven werden nicht nur angehört, sondern in
Entscheidungen, Ressourcenfragen und Prioritätensetzungen wirksam
berücksichtigt.
- Für neue Engagierte, insbesondere für Menschen mit Rassismuserfahrung,
gibt es passende Begleitung, Orientierung und Schutzräume.
3. Wir entwickeln eine lernende Verbandskultur, die Konflikte, Irritationen und
Lernschleifen als Teil des Weges versteht.
- Rassismuskritische Bildung ist Bestandteil von Qualifizierung,
Leitungshandeln und Veranstaltungsplanung.
- Widerstände, Unsicherheiten und Fehler werden nicht tabuisiert, sondern
respektvoll, verbindlich und verantwortungsvoll bearbeitet.
- Jugendfreizeiten, Delegiertenkonferenzen, Wahlen und Konfliktgespräche
werden diversitätssensibel geplant und reflektiert.
4. Wir kommunizieren transparent über Fortschritte und Herausforderungen, damit
der Prozess im Verband sichtbar und überprüfbar bleibt.
- Auf Delegiertenkonferenzen, der Website und in den sozialen Medien wird
regelmäßig über Schritte, Entscheidungen und offene Fragen berichtet.
- Erfolge wie die Vision, der Ordnungsimpuls, die Beschwerdestelle und
Kommunikationsformate werden sichtbar gemacht.
Unser Rassismusverständnis
Die EJiR erkennt an, dass rassistische und andere diskriminierende Strukturen in
Gesellschaft, Kirche und auch in der eigenen Organisation existieren. Diese
Strukturen sichtbar zu machen und abzubauen, ist Teil unseres
Selbstverständnisses.
Diese Strukturen haben historische Wurzeln, unter anderem in kolonialen
Machtverhältnissen und theologischen wie gesellschaftlichen Traditionen, die
Ausgrenzung und Ungleichheit begünstigt haben.
Wie geht es jetzt weiter?
Eine Strategie
Das Grundsatzpapier beschreibt, welche EJiR wir sein wollen und woran wir in den
nächsten Jahren Fortschritt erkennen.
Es ersetzt keine Maßnahmenplanung. Der konkrete Weg wird von einer eigens dafür
eingerichteten Projektgruppe geplant, priorisiert und überprüft. Die Umsetzung
der Maßnahmen erfolgt durch den Vorstand, die Delegiertenkonferenz und das Amt
für Jugendarbeit.
Die Bereiche Haltung, Struktur, Kultur und Verfahren gehören zusammen. Sie
stehen nicht in Konkurrenz zueinander.
Rassismuskritische Organisationsentwicklung ist Teil unseres
Selbstverständnisses und kein Zusatzprojekt.
Warum ein Zeitraum von fünf Jahren?
Wir sind eine lernende Organisation. Manche Ziele brauchen mehr Vorbereitung,
andere können schneller erreicht werden.
Nicht alles muss gleichzeitig geschehen. Die EJiR setzt zeitlich begrenzte
Schwerpunkte und prüft, welche Ressourcen verfügbar sind.
Fortschritt zeigt sich daran, ob sich konkrete Alltagssituationen verändern:
eine Freizeit, eine Delegiertenkonferenz, eine Wahl oder ein Konfliktgespräch.
Was machen wir bereits?
- Eine Vision und ein Passus für eine mögliche Ordnungsänderung wurden
erarbeitet und beschlossen.
- Eine Beschwerdestelle für Rassismuserfahrungen wurde in Zusammenarbeit mit
der EKiR eingerichtet.
- Diversität wird in Stellenausschreibungen benannt.
- Der Prozess wird auf Delegiertenkonferenzen, der Website und über
Instagram kommuniziert.
- Der Beratungsprozess hat Struktur- und Kulturfragen sichtbar gemacht und
konkrete nächste Schritte benannt.
Was wollen wir noch erreichen?
- Verbindliche Standards für Feedback- und Beschwerdewege.
- Die schrittweise Entwicklung von Aufarbeitungs- und Interventionswegen.
- Standards für eine regelmäßige Überprüfung der Umsetzung unserer Ziele.
- Konkrete Beteiligungswege für die Perspektiven von BIPoC und Menschen mit
Rassismuserfahrung, ohne von ihnen zusätzliche unbezahlte
Aufklärungsarbeit zu erwarten.
- Ein Mentoring- oder Begleitformat mit klaren Zielen, Rollen, Ressourcen,
Schutzstandards und Evaluation.
- Ein Schulungskonzept zur Sensibilisierung sowie zum Empowerment von
Entscheidungsträger:innen und beruflich sowie ehrenamtlich Mitarbeitenden.
Wie bleiben wir ehrlich?
Wir wissen, dass dieser Prozess Irritationen, Konflikte, Erschöpfung und
Lernschleifen mit sich bringen kann. Wir verstehen Widerstand und Unsicherheit
nicht als Störung, sondern als Hinweise darauf, wo Klärung, Begleitung und
Verbindlichkeit nötig sind.
Das Grundsatzpapier wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf fortgeschrieben.
Wie soll die Umsetzung erfolgen?
Die Delegiertenkonferenz setzt eine Projektgruppe ein. Diese arbeitet auf
Grundlage des Grundsatzpapiers weiter. Der Vorstand wird in die Prozesse der
Projektgruppe einbezogen.
Die Projektgruppe führt Zeitplanung, Kommunikation und Evaluation zusammen.
Regelmäßige Kurzberichte gegenüber der Delegiertenkonferenz und dem Vorstand
machen sichtbar,
- was umgesetzt wurde,
- was noch offen ist und
- welche Entscheidungen als Nächstes anstehen.
Begründung
Die EJiR hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit Fragen von Rassismus, Diskriminierung und Teilhabe auseinandergesetzt. Im Rahmen dieses Prozesses wurden bereits wichtige Schritte umgesetzt, darunter die Entwicklung einer gemeinsamen Vision, die Einrichtung einer Beschwerdestelle für Rassismuserfahrungen sowie die öffentliche Kommunikation des Prozesses.
Mit dem vorliegenden Grundsatzpapier werden diese Erfahrungen gebündelt und in einen verbindlichen strategischen Rahmen überführt. Das Papier beschreibt nicht einzelne Maßnahmen, sondern formuliert ein gemeinsames Verständnis davon, welche EJiR wir sein wollen und woran Fortschritte in den kommenden Jahren erkennbar werden. Es verbindet die Bereiche Haltung, Struktur, Kultur und Verfahren und macht deutlich, dass rassismuskritische Organisationsentwicklung keine zeitlich begrenzte Zusatzaufgabe, sondern Teil des Selbstverständnisses der EJiR ist.
Der Beschluss des Grundsatzpapiers schafft Orientierung, Verbindlichkeit und Transparenz für die weitere Arbeit. Gleichzeitig bleibt Raum für Lernen, Weiterentwicklung und die notwendige Anpassung konkreter Maßnahmen an zukünftige Herausforderungen.
Die Delegiertenkonferenz wird daher gebeten, dem Grundsatzpapier zuzustimmen
